Bilder in Print & Online
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Montag, den 28. März 2016 um 00:13 Uhr

Crossmedia Publishing: Bilder & Grafiken in Print & Online

Multi-Channel-Publishing und Cross-Media-Publishing sind seit August 2012 mein täglich Brot. Ein immer wieder auftauchendes Problem dabei sind die Bilder. Meine Erfahrungen und die Unterschiede zwischen Print und Online habe ich hier mal zusammengefasst.

Multi Channel Publishing und Cross Media Publishing sind seit einigen Jahren gefragter den je. Für Verlage ist dies ein besonders großes Thema. Schließlich möchte man die Inhalte möglichst effizient und sowohl im Web (Online) als auch in der Zeitschrift/Zeitung (Print) zur Verfügung stellen. Außerdem müssen neue Wege der Verwertung von Content (Inhalten) gefunden werden, jetzt da in Print die Auflagen einbrechen.

Multi Channel oder Crossmedia Publishing ist nichts anders als einen Artikel auf möglichst vielen Kanälen (Website, Mobile Website, App, eBook, PDF, Magazin, Zeitschrift, Zeitung, Buch) zu veröffentlichen. Eine Möglichkeit dieses Crossmedia Publishing umzusetzen ist das Contentmanagementsystem „Interred“. Ein Problem dabei sind die Bilder. Für Print und Online werden unterschiedliche Bilder benötigt sowohl in technischer als auch in inhaltlicher Hinsicht.

Technische Unterschiede bei Bildern

Kommen wir zuerst zu den technischen Unterschieden bei Bildern in Online und Print und den Problemen die daraus erwachsen.

Farbprofil / Farbmodell

Grundsätzlich bestehen Bilder aus einzelnen Farbpunkten. Sie werden über- und nebeneinandergesetzt. Menschen haben sich dieser Technik auch schon früher bedient. In der Stilepoche des Pointilismus bedienten sich Paul Signac, Georges Seurat und viele mehr dieser Technik um ganze Bilder zu malen. Diesen Malern stand jedoch nur das substraktive Farbmodell zur Verfügung. Im Computer kennen wir heute zwei Farbmodelle das substraktive CMYK-Modell und das additive RGB-Modell.

RGB-Modell – Red – Green – Blue (Rot – Grün – Blau)

Das RGB-Modell beruht auf den physikalischen Grundlagen des Lichts und dessen Farben. Dieses Farbmodell wird bei Monitor- oder Videofarben verwendet. Es ist ein additives Farbmodell. Das bedeutet, dass je mehr Farben ineinandergemischt werden, der Farbton immer heller wird. Alle 3 Farben vermischt im höchsten Wert ergeben weiß. Dieses Farbmodell wird für Bilder im Web und am Monitor generell verwendet.

CMYK-Modell – Cyan – Magenta – Yellow – Key (Türkis – Pink – Gelb – Schwarz)

CMYK ist das Farbmodell für den Druck oder die Malerei. Es ist ein subtraktives Farbmodell. Je mehr Farbe verwendet wird, desto dunkler wird der Farbton. Alle drei Farben zusammen ergeben ein tiefes Grau. Key wird häufig mit schwarz übersetzt und steht für die Farbtiefe. Beim Druck werden die 4 Schichten der jeweiligen Farbe übereinander gedruckt. Im Grunde genommen funktioniert es also identisch zu unserem Malkasten in der Schule. Da CMYK weniger Farbtöne als RGB beinhaltet, werden für bestimmte Farbtöne (z.B. besonders stark leuchtende Farben) Sonderfarben z.B. Patone, HKS verwendet.

Probleme bei der Umrechnung zwischen RGB und CMYK

Fotos fürs Internet sollten also im RGB-Modus gespeichert sein. Fotos für Flyer und sonstigen Druck sollten CMYK sein. Das erste Problem, dass sich daraus ergibt, ist die Farbdifferenz zwischen beiden Farbmodellen. Ist der Monitor nicht kalibriert und hat besondere Zertifikat, ist er nicht farbgetreu oder farbecht. Was am Bildschirm erstellt wird, sieht im Druck ganz anders aus.

Das zweite Problem entsteht bei der Umrechnung zwischen dem einen und dem anderen Farbraum. In Photoshop geht dies sehr gut. Diverse Farbprofile lassen spezielle Ergebnisse für bestimmt Drucker zu. Deshalb sollte immer das Farbprofil der Druckerei verwendet werden. Trotzdem kommt es immer zu leichten Farbverschiebungen zwischen Online & Print. In einem CMS steht aber kein Photoshop zur Verfügung. Farbprofile können zwar in entsprechenden Contentmanagementsystemen eingebunden werden (z.B. mit Hilfe von ImageMagick), trotzdem ist es gar nicht so einfach die Umwandlung jederzeit korrekt umzusetzen. Es ist viel menschliche Nachkontrolle nötig. Genau das möchte man eigentlich nicht in einem Cross-Media-Publishing-System.

Auflösung

Ein weiterer Unterschied zwischen Print und Online ist die Auflösung. Während für Druckgrafiken wenigstens 300 DPI (Dots per Inch) benötigt werden, braucht das Web 72 PPI (Pixel per Inch). Das führt zu einem weiteren Problem. Würde man für Crossmedia Publishing also die Direktive herausgeben, dass nur Bilder mit 300 DPI verwendet werden dürfen, dann könnte man dieses Problem umgehen. Das hat nur eine Schwachstelle: Der Anwender. Er schaut nicht  bei jedem Bild, dass er verwenden möchte, nach, ob es 300 DPI hat. Ein Grund dafür ist Zeit und ein zweiter Unwissenheit. Außerdem würde kein Anwender auf Bild für Webcontent verzichten, weil es nur 72 PPI hat, wenn er es braucht.

Formate

Noch ein technischer Knackpunkt sind die Formate. In Print werden z.B. in Deutschland DIN-Formate verwendet. Das bekannteste ist A4. Für Zeitschriften gibt es noch andere. DIN A4 sind 210 * 297 mm und 8.297 * 11.692 inch oder 2480 * 3508 Pixel. Dieses Format hat kein Monitor oder Device. Erstens sind die ersten Displays oder Devices im Querformat gewesen und zumindest in der Anfangszeit auch in viel geringeren Pixelzahlen. Ein 17 Zoll Display am Notebook hat heute z.B. ein Auslösung von 1600 x 900 Pixeln. Websites sind darauf ausgerichtet. Websites für Mobile Devices haben z.B. 320Pixel. 640 Pixel sind es im Querformat. Ein Tablet beginnt ca. bei 640 Pixel und im Querformat reden wir schon von 960 Pixel. Dies wiederum ist abzüglich der Scrollbars die optimale Breite für den gängigsten kleinsten Desktop. Die einzelnen Bilder auf der Website sind auf jeder Website unterschiedlich. Es gibt keine Standards.

Dateitypen

Last but not Least gibt es unterschiedliche Dateiformate für Print und Online. Websites werden heute mit Bildern im Format PNG und JPEG bestückt. Für Print verwendet man TIFF. TIFF unterstützt entgegen JPEG und PNG den CMYK-Modus. Somit muss ein Bild für Print in CMYK vorliegen und für Online in JPEG oder PNG. Browser unterstützen TIFF, EPS und ähnliche Druckformate nicht ohne besondere Plugins und einige nicht einmal mit diesen. Das Problem im Multi Channel Publishing liegt auf der Hand – es muss automatisch umgerechnet oder manuell hinterlegt werden.

Inhaltliche Unterschiede

Neben technischen Unterschieden gibt es für Print und Online unterschiedliche Anforderungen an die Bilder. Für diesen Fall geh ich von Tageszeitungen, Yellow-Press und Starmagazinen und den Promiportalen im Internet aus.

Für Print braucht man 300 DPI Bilder, die möglichst für ein Hochglanzcover taugen müssen. Je nach Magazin müssen es bestimmte Inhalte sein: Bilder auf denen Stars schlecht aussehen, Urlaubsfotos aus großer Reichweite, mit Familie, mit der neuen Freundin. Meist benötigt man ein Bild pro Woche. Die ersten 5 Minuten eines Konzertes und ein Foto reichen hierfür. Das kann auch aus dem Archiv sein.

Für Online ist dies anders. Hier sind die Fans der Stars, die die Klatsch- und Tratsch-Geschichten nicht wirklich wollen. Sie freuen sich über massig Fotos aus dem Konzert, aus dem neuen Film oder auch vom roten Teppich. Sie wollen Neuigkeiten über die Stars. Sie wollen wissen, wann diese in ihrer Nähe waren und wie die Auftritte ihrer Stars waren. Sie erfreuen sich über Aftershow-Partys bei denen sie nicht dabei waren – ohne Skandale.

Bei 72DPI reicht es wenn die Redakteure, die auf ein Konzert, eine Party gehen Schnappschüsse präsentieren, die zu dem, was sie schreiben, eindeutig passen. Es muss! aktuell sein. Sonst wird die Geschichte nicht geglaubt. Das Bild zählt mehr als der Text. Die Fans erkennen den Unterschied. Hochglanzfotos sind schön, aber eine einfache Spiegelreflex-Kamera für 1000 Euro reicht.

Während in Print auch Bilder mit Gegenständen vor dem Gesicht funktionieren können, müssen in Online die Bilder störungsfrei sein. Der Star, das Objekt der Begierde muss in Bruchteilen einer Sekunden erkennbar sein und im Mittelpunkt stehen und nicht hinter Säulen oder Gras. Bei Print stehen die Leser vor dem Regal und schauen die Cover durch oder wissen bereits welche Zeitung sie immer kaufen. In Online erscheint die Meldung im Newsstream bei Facebook, weil man die Seite abonniert hat oder weil ein Freund es geteilt hat. Man sucht auf Google und gerade mobile erhält man viele Ergebnisse mit Foto. Insgesamt ist man hier jedoch reizüberfluteter und es zählt, ob ein Foto neu und unbekannt ist, damit der Leser es anklickt. Was überall zu sehen ist, wird nicht angeklickt – außer man hat es geschafft, dass der Leser die Headline liest und diese ist gut.

Ein weiteres Problem bei Online ist die fixe Bildgröße. Alle Bilder ein Website haben das Gleiche Format. Sie werden einmal vom Konzepter festgelegt und vom Programmierer umgesetzt und dann für alle Bilder gültig.  Freigestellte Bilder wirken nicht und können vom Text nicht um flossen werden.

Diese Unterschiede stellen auch Crossmedia Publishing vor eine Herausforderung. Ein Redakteur muss beide Anforderungen jeder Zeit im Kopf haben und seine Bilder entsprechend wählen und unter Umständen kann hier der Punkt erreicht sein, wo Crossmedia mit einer Datenquelle nicht mehr funktioniert oder viel Aufwand auf Programmierer-, Konzepter- und Redakteursebene erfordert.

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